Warum der Raum unter der Treppe so oft verschenkt wird

Unter der Treppe steckt meist das beste Stauraum-Potenzial im ganzen Haus oder in Maisonette-Wohnungen: zentral gelegen, oft im Eingangsbereich und ideal für Dinge, die täglich gebraucht werden. Trotzdem bleibt die Fläche häufig leer, weil die Schräge „kompliziert“ wirkt oder weil man Angst vor teuren Einbauten hat.

In deutschen Grundrissen findest du unter Treppen schnell 1 bis 4 m2 nutzbare Grundfläche. Das entspricht grob einem kleinen Abstellraum oder einem halben Kleiderschrank. Mit klarer Planung bekommst du dort entweder Ordnung im Flur oder echte Zusatzfunktionen wie Putzstation, Garderobe, Schuhwand, Staubsaugerparkplatz oder sogar einen Mini-Arbeitsplatz.

Entscheidend ist: Du planst nicht „den Raum“, sondern konkrete Gegenstände und Abläufe. Dann ist die Schräge kein Problem, sondern ein Vorteil, weil sie oben Platz spart und unten Volumen schafft.

  • Checkliste (Ja/Nein): Passt ein Einbau unter deine Treppe?
  • Ist die Unterseite der Treppe geschlossen (Gips/ Holz) oder offen (Stufen sichtbar)?
  • Hast du mindestens 60 cm Tiefe an der höchsten Stelle, wo eine Tür/Front sinnvoll wäre?
  • Gibt es Heizkörper, Lüftungsgitter oder Elektroverteilungen, die zugänglich bleiben müssen?
  • Kannst du eine durchgehende Sockellinie (5 bis 8 cm) setzen, ohne Stolperkanten zu erzeugen?
  • Ist der Bereich trocken (kein Kondensat, keine kalte Außenwand ohne Dämmung)?
  • Willst du den Stauraum täglich nutzen (Flur) oder selten (Saisonzeug)?
Einbauschrank unter einer Holztreppe im Flur mit geschlossenen weißen Fronten und Sitzbank
Unter der Treppe entsteht aus wenig Fläche ein vollwertiger Schrank für Flur-Alltag.

Aufmaß und Planung: So gehst du in 45 Minuten richtig vor

Du brauchst keine Profi-Software. Ein sauberes Aufmaß entscheidet, ob Türen schleifen, Schubladen klemmen oder am Ende ungenutzte Ecken bleiben. Nimm Maßband, Kreppband, Papier und einen Winkel.

Schritt 1: Nutzvolumen statt Schrägen messen

  • Grundfläche am Boden messen: Länge entlang der Treppe und maximale Tiefe.
  • Höhenpunkte alle 30 bis 40 cm markieren (Kreppband am Boden), dann senkrecht bis zur Unterseite der Treppe messen.
  • Tür- und Laufweg prüfen: Wo geht man vorbei? Wo stößt man an? Mindestdurchgang im Flur ideal 90 cm, praktikabel oft 80 cm.

Schritt 2: Was soll wirklich rein? (Inventarliste)

Schreibe die Dinge auf, die dort Platz finden sollen. Das klingt banal, spart aber Geld, weil du Fronten, Innenaufteilung und Traglast passend planst.

  • Schuhe (wie viele Paare, welche Größen, Stiefel?)
  • Jacken/Mäntel (Länge, häufig genutzte vs. seltene)
  • Putzgeräte (Staubsaugerhöhe, Wischmopp-Länge)
  • Haushaltsvorräte, Getränkekisten, Werkzeug
  • Router, Repeater, Smart-Home-Zentrale (falls Technik geplant)

Schritt 3: Frontprinzip wählen

Unter Treppen funktionieren drei Prinzipien in der Praxis am besten:

  • Schubladen (ziehen alles heraus, beste Übersicht, teurer)
  • Türen mit Auszügen (günstiger, flexibel, aber Innenauszüge kosten extra)
  • Offene Nischen (billig und schnell, aber staubanfällig und optisch unruhiger)

12 praxiserprobte Lösungen je nach Raum und Nutzung

Wähle nicht die „schönste“ Lösung, sondern die mit dem besten Alltagseffekt. Unter Treppen sind die häufigsten Reibungspunkte: Schuhe, Taschen, Pakete, Putzkram und Kabelsalat.

1) Garderobe mit zwei Zonen: täglich und saisonal

  • Unten: Hakenleiste für Jacken, Taschen, Hundeleine in Griffhöhe (110 bis 140 cm).
  • Oben/weiter hinten: Kleiderstange oder Regalfächer für Saisonzeug.
  • Tipp: 1 Ablage für „Heute rein“ (Post, Schlüssel, Paketmesser) verhindert Flur-Chaos.

2) Schuhwand mit schrägen Fachböden (echte Platzwunder)

Schuhe brauchen weniger Tiefe als man denkt. Mit schrägen Böden reichen oft 25 bis 30 cm Tiefe. Ideal, wenn die Treppe in den Flur ragt.

  • Vorne flache Regale für Sneaker und Halbschuhe.
  • Seitlich/weiter hinten höhere Fächer für Stiefel.
  • Unbedingt eine abwischbare Rückwand (HPL, lackierte MDF, robuste Farbe) einplanen.

3) Putzstation: Staubsauger, Wischer, Eimer, Nachfüllflaschen

Wenn du keinen Hauswirtschaftsraum hast, ist das die sinnvollste Nutzung. Wichtig: Ordnung nach „Nass“ und „Trocken“ trennen.

  • Hohe Nische für Staubsauger (Akkustation mit Steckdose).
  • Schmale Halterungen für Stiele (Besen, Wischer) an der Seitenwand.
  • Ausziehkiste für Putzmittel (am besten mit Wanne/Einlage gegen Tropfen).
  • Belüftung: Tür unten 1 bis 2 cm kürzen oder Lüftungsgitter einsetzen.

4) Paket- und Pfandnische (für Familien Gold wert)

  • Offenes Fach für Pakete, Rücksendungen, Klebeband, Etiketten.
  • Unten Kisten für Pfand (Glas getrennt, PET, Dosen).
  • Haken für Mehrwegbeutel.

5) Bücherregal als „Wohnzimmerwand light“

Unter Treppen im Wohnbereich wirkt ein offenes Regal schnell wie ein bewusstes Möbelstück. Wichtig ist Ruhe im Bild.

  • Einheitliche Fachhöhen (z.B. 28 bis 32 cm) für saubere Linien.
  • 30 Prozent der Fächer „leer“ lassen oder mit Boxen arbeiten.
  • LED-Lichtband unter Stufen für Abendlicht (warmweiß 2700 bis 3000 K).

6) Bar- oder Kaffee-Nische (wenn der Standort passt)

Funktioniert gut, wenn die Treppe nahe Küche oder Wohnzimmer ist. Plane Strom und abwischbare Oberflächen.

  • Arbeitsplatte 60 cm tief, wenn möglich, sonst 45 cm und Geräte schlank wählen.
  • Steckdosenleiste innen, Kabeldurchführung nach hinten.
  • Fronten als Klappe oder Schiebetür, damit im Betrieb nichts in den Flur ragt.

7) Mini-Home-Office unter der Treppe (realistisch, wenn du Regeln einhältst)

Das klappt, wenn du vor allem konzentriert am Laptop arbeitest und einen festen Platz für Technik hast. Für dauerhafte Calls brauchst du zusätzlich Akustik.

  • Tischplatte 50 bis 60 cm tief, Höhe 72 bis 75 cm.
  • Wandboard über dem Tisch für Drucker oder Dockingstation.
  • Akustik: Filz-Pinnwand oder Textilpaneel an der Seitenwand reduziert Hall.

8) Sitzbank mit Stauraum (Flur komfortabler machen)

  • Sitzhöhe 45 cm, Tiefe 35 bis 45 cm.
  • Darunter Klappen oder Schubladen für Mützen, Handschuhe, Schals.
  • Seitlich ein schmales Fach für Schuhlöffel, Regenschirm, Fusselrolle.

9) Technikschrank: Router, Smart-Home, NAS, Ladezone

Der Vorteil ist die zentrale Lage. Der Nachteil: Wärme und Kabel. Plane das von Anfang an.

  • Lüftungsöffnungen oben und unten (Konvektion).
  • Kabelmanagement: Kabelkanal + Klettbinder, nicht Kabelsalat.
  • Keine geschlossene Kiste für Geräte, die warm werden (NAS, Switch).

10) Vorratsschrank für Getränke und Konserven

Unter Treppen ist oft genug Tiefe für Auszüge. Achte auf Traglast und Zugriff.

  • Vollauszüge für Kisten (stabile Auszugsschienen, 40 bis 60 kg je nach System).
  • Schmale Auszüge (15 bis 30 cm) für Flaschen und Gläser sparen Platz.
  • Beschriftung vorne: du findest schneller, was leer ist.

11) Kinderkram-Zone: Ranzen, Helme, Sportsachen

  • Pro Kind ein Fach oder Korb (konsequent, sonst kippt es).
  • Haken in Kinderhöhe (90 bis 110 cm) für Helm und Tasche.
  • Schmutzmatte oder abwischbarer Bodenbelag im unteren Bereich.

12) Versteckte Abstellkammer für „hässliche“ Dinge

Wenn du nur eins willst: Ruhe. Dann baue eine schlichte Tür und nutze innen offene Regale. Das ist oft die günstigste „ordentlich wirkende“ Lösung.

  • Innen Regaltiefe 30 bis 40 cm für Kartons und Kleinteile.
  • Ganz unten Platz für Staubsauger oder Getränkekiste.
  • Tür mit Push-to-open oder unauffälligem Griff.

Materialien und Fronten: Was sich in deutschen Haushalten bewährt

Unter Treppen bekommst du viel Nutzung auf kleiner Fläche, aber der Bereich ist stark belastet: Schuhe, Feuchtigkeit von Jacken, Staubsaugerstöße. Nimm robuste Materialien, sonst ärgerst du dich nach einem Winter.

Fronten und Korpusse

  • Melaminbeschichtete Spanplatte: Preis-Leistung top, pflegeleicht. Ideal für Innenleben und einfache Fronten.
  • MDF lackiert: Schicker, aber empfindlicher gegen Schläge. Im Flur nur sinnvoll, wenn Kinder/Haustiere nicht ständig dagegenkommen.
  • Sperrholz (Birke) geölt: Sehr robust und wohnlich, gut für sichtbare Regale im Wohnzimmer.

Boden und Sockel

  • Im Flur: HPL-Sockel oder abwaschbarer Sockellack, weil Nässe und Salz Spritzer verursachen.
  • Unter offenen Treppen: Staub fällt durch. Plane eine leicht wischbare Bodenfläche oder eine herausnehmbare Matte.

Beschläge, die nicht nerven

  • Schubladen: Vollauszug, Softclose, stabile Seitenwände.
  • Türen: Weitwinkelbänder, damit du auch in die Tiefe kommst.
  • Griffe: Im Flur lieber Griffleisten oder kleine Knäufe, damit Kleidung nicht hängen bleibt.

Kosten und Aufwand: realistische Budgets von DIY bis Schreiner

Die Preisspanne ist groß, weil „unter der Treppe“ von zwei Regalböden bis zum maßgefertigten Schubladensystem alles sein kann. Diese Bereiche sind in Deutschland für viele Haushalte realistisch:

Budgetrahmen (grob, ohne Luxus)

  • DIY offen (Regale, Körbe, Haken): ca. 80 bis 300 EUR
  • DIY mit Fronten (MDF/Span, einfache Türen): ca. 250 bis 900 EUR
  • Modulare Systeme + Anpassung (Korpusse, Auszüge): ca. 600 bis 1.800 EUR
  • Schreiner maßgefertigt (Schubladen, perfekte Fugen): ca. 2.000 bis 6.000 EUR

Wo sich Geld wirklich lohnt

  • Auszüge und Schienen: billige Auszüge nerven täglich.
  • Robuste Sockelzone im Flur: verhindert aufgequollene Kanten.
  • Gute Innenbeleuchtung: du nutzt den Stauraum häufiger, weil du alles siehst.

Details, die den Unterschied machen: Licht, Lüftung, Sicherheit

Licht: schnell nachrüsten, täglich spürbar

  • LED-Leiste mit Bewegungsmelder im Korpus: ideal für Garderobe und Putzstation.
  • Warmweiß 2700 bis 3000 K im Wohnbereich, neutralweiß 3500 bis 4000 K in Putz- und Vorratszonen.
  • Blendschutz: Licht nach hinten oder nach unten richten, nicht direkt in den Flur.

Lüftung: wichtig bei Schuhen, Putzmitteln und Technik

  • Tür unten 10 bis 15 mm Luftspalt oder Lüftungsgitter.
  • Keine duftenden „Wundersteine“ als Ersatz: lieber Luftbewegung und trockene Lagerung.

Sicherheit: Treppe ist ein Unfallort

  • Keine herausstehenden Griffe in Kopfhöhe bei Kindern.
  • Schubladen nicht in Hauptlaufwegen öffnen lassen (ggf. Schubladen nach innen versetzen).
  • Kippsichere Regale, wenn Kinder Zugriff haben (Kisten statt lose Stapel).

Fehler aus der Praxis und wie du sie vermeidest

Die meisten Projekte scheitern nicht an der Schräge, sondern an Kleinigkeiten. Das sind typische Ursachen, die ich in echten Haushalten oft sehe:

  • Zu tiefe Regale - hinten steht Chaos. Lösung: Auszüge oder Kisten mit Griff, maximale Regaltiefe 35 bis 40 cm für Handzugriff.
  • Keine Sockel- und Schutzkante - Kanten quellen im Flur auf. Lösung: Sockel robust ausführen, Kanten versiegeln.
  • Tür schlägt in den Laufweg - nervt täglich. Lösung: Schiebetür, Klappe oder Türanschlag so planen, dass er nicht stört.
  • Technik ohne Lüftung - Router drosselt, NAS wird laut. Lösung: Lüftungsöffnungen, keine komplett dichte Box.
  • Optisch unruhige Fronten - wirkt wie Provisorium. Lösung: wenige breite Fronten statt viele schmale, gleiche Griffpositionen.

Mini-Plan: In 1 Wochenende zur fertigen Stauraum-Zone

Wenn du kein Maßsystem vom Schreiner willst, funktioniert dieser Ablauf für viele Wohnungen und Reihenhäuser:

Samstag: Aufbau und Grundstruktur

  • Aufmaß final prüfen, Boden schützen (Filzgleiter, Sockelband).
  • Offene Korpusse oder Regale stellen und ausrichten (Wasserwaage).
  • Innenaufteilung grob nach Inventarliste einbauen.

Sonntag: Fronten, Ordnung und Details

  • Fronten montieren oder Vorhang/Schiebelösung installieren.
  • Beleuchtung kleben und testen (Bewegungsmelder einstellen).
  • Kisten beschriften, Haken setzen, feste Plätze definieren.
Auszüge und Schubladen in einem Treppenunterschrank mit geordneten Boxen und Schuhen
Auszüge holen auch die Tiefe unter der Treppe sauber nach vorne.

Podsumowanie

  • Plane nach Gegenständen und Abläufen, nicht nach der Schräge.
  • Wähle ein Frontprinzip: Schubladen, Türen mit Auszügen oder offene Nischen.
  • Im Flur sind robuste Sockel, abwischbare Flächen und Lüftung Pflicht.
  • Licht (LED mit Sensor) macht den Stauraum im Alltag deutlich nutzbarer.
  • Budget realistisch: von 80 bis 300 EUR (offen) bis 2.000+ EUR (maßgefertigt).
  • Vermeide zu tiefe Regale und Türen, die in den Laufweg schlagen.

FAQ

Brauche ich für Stauraum unter der Treppe eine Baugenehmigung?

In der Regel nicht, solange du keine tragenden Teile änderst und keine Fluchtwege beeinträchtigst. Bei Mietwohnungen vorher schriftlich mit dem Vermieter klären.

Was ist besser unter der Treppe: Schubladen oder Türen?

Schubladen sind am komfortabelsten, weil du die Tiefe komplett nutzt. Türen sind günstiger, funktionieren aber erst richtig gut mit Innenauszügen oder Kisten.

Wie verhindere ich Gerüche und Feuchtigkeit bei Schuhen?

Lüftung einplanen (Luftspalt oder Gitter), nasse Schuhe nicht geschlossen einlagern und eine abwischbare Rückwand nutzen. Optional Zedernholz oder Aktivkohlebeutel, aber nur ergänzend.

Kann ich dort einen Router oder Smart-Home-Zentrale verstecken?

Ja, wenn du Lüftungsöffnungen vorsiehst und genug Platz für Kabelmanagement einplanst. Funkreichweite vorher testen, besonders bei Stahlbetondecken und dicken Wänden.

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